Berlin – Wasserstoff im Hier und Jetzt – Familienunternehmen als Innovationstreiber: Das war das Thema der großen Wasserstoffkonferenz mit mittelständischen Unternehmen aus Deutschland am gestrigen Mittwoch im Maschinenraum in Berlin. Fazit der Hybrid-Veranstaltung, an der mehr als 1000 Zuschauer:innen teilnahmen: Wasserstoff wird in Zukunft für viele Branchen und alle Sektoren eine immer größere Bedeutung einnehmen. Eine weitere wichtige Erkenntnis: der CO2-neutral hergestellte Wasserstoff sollte für alle Anwendungsbereiche zur Verfügung stehen und nicht – wie von der Politik gewollt – vorwiegend in der Chemie- und Stahlindustrie zum Einsatz kommen.

Der von Viessmann initiierte Maschinenraum ist ein geteiltes Innovations-Ökosystem, das deutsche Mittelstands- und Familienunternehmen zusammenbringt, um gemeinsam eine lebenswerte Zukunft für künftige Generationen zu schaffen. So stellte Maschinenraum- Geschäftsführer Tobias Rappers die Location der Konferenz vor.

Ziel der Konferenz war es, die heute bereits vorhandenen Technologie-Lösungen des deutschen Mittelstands, insbesondere im Bereich des Wasserstoffs, einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen und die Potenziale darzustellen, die sich für den Industriestandort Deutschland daraus ergeben. Die Teilnehmer:innen der Konferenz deckten dabei alle Punkte der Wertschöpfungskette ab: von der Erzeugung über die Speicherung und den Transport bis zur Anwendung.

Max Viessmann, Co-CEO der Viessmann Group, stellte fest: “Der heutige Tag macht deutlich, welche enorme Innovationskraft der deutsche Mittelstand zu bieten hat.” In Bezug auf den Wärmemarkt sagte Viessmann, dass Wasserstoff eine zentrale Rolle spielen werde, wenn es darum geht, den Gebäudesektor CO2-neutral zu gestalten. Die Verwendung von Wasserstoff trage auch dazu bei, dass die Wärmewende sozialverträglich gestaltet werden könne. Denn dies sei auch wichtig, wenn man lebenswerte Räume für künftige Generationen gestalten wolle.

Katherina Reiche, Vorsitzende des Nationalen Wasserstoffrates, stellte die Bilanz dieses Gremiums vor, das vor einem Jahr von der Bundesregierung eingesetzt worden war. Als wahren Kraftakt bezeichnete sie die Erstellung eines 80 Punkte umfassenden Fahrplans, mit dem der künftigen Bundesregierung Empfehlungen zum erfolgreichen Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft als industriepolitische Antwort auf das Pariser Klimaabkommen gegeben werden.

Oliver Hermes, CEO des Pumpenherstellers Wilo SE, stellte die Wasserstoff-Strategie seines Unternehmens vor. Dazu gehört nicht nur der Einsatz von Wasserstoff als Energieträger, sondern auch das Ziel, bis 2025 alle großen Produktionsstandorte klimaneutral zu gestalten. Er forderte, die bestehende Gasinfrastruktur in Deutschland für die Speicherung und den Transport von Wasserstoff zu ertüchtigen.

Dr. Jens Hanke, CEO der Graforce GmbH in Berlin, präsentierte die Plasma-Elektrolyse, die in seinem Unternehmen entwickelt wurde, um Wasserstoff beispielsweise aus Schmutzwasser oder Faulgasen abzuspalten und für die weitere Verwendung aufzubereiten. Als Beispiel nannte er die Energieversorgung des Berliner Hotels MOA, bei dem Wasserstoff mithilfe eines Blockheizkraftwerkes und eines Brennwertkessels – beide von Viessmann – in Wärme und Strom gewandelt wird.

Wie Dank der Hochtemperatur-Elektrolyse der Carbon-Footprint in einem Stahlwerk reduziert werden kann, stellte der Director Technical Sales Wolf Thyssen von der Sunfire GmbH vor. Mithilfe dieser innovativen Technologie sollen bis Ende kommenden Jahres 100 Tonnen Wasserstoff produziert werden.

Ulf Henkel, CEO der EPC Technologies, berichtete über die zunehmende Bedeutung von Wasserstoff in der chemischen Industrie und sagte: “Für uns als Familienunternehmen ist es wichtig, zukunftsweisende Technologien zu verkaufen.”

Unter der Überschrift “Wasserstoff: altes Thema, neu interpretiert” berichtete Mortimer Glinz, geschäftsführender Gesellschafter der SK-Group, über ein Projekt in der Schweiz. Dort werden schon heute von einem Konsortium von Lebensmittelhandelskonzernen ohne Unterstützung des Staates 75 wasserstoffbetriebene Trucks im Verteilverkehr eingesetzt. Die SK-Group liefert dort nicht nur den Wasserstoff, sondern auch die Tankstellen.

Wolfgang Wolter, CEO der Wystrach, stellte den weltweit ersten wasserstoffbetriebenen Zug vor.

Im Vortrag von Jens Asmuth, CEO der JA Gastechnologie, ging es um die Einsatzgebiete von Wasserstoff im Sektor Mobilität in seiner Rolle als Automobilzulieferer. Bereits 80 Prozent des Umsatzes werden bei JA Gastechnologie durch Wasserstoffanwendungen generiert, wofür die dezentrale und lokale Wasserstoffproduktion unabdingbar sei.

Dr. Stefanie Kesting, Business Unit Energy bei Neumnn & Esser, thematisierte in ihrem Use Case den “Nationalen Wasserstoffmarkt der Zukunft” unter Berücksichtigung der hochkomplexen Wertschöpfungskette ihres Unternehmens. Die ökologische Rentabilität, so Kesting, müsse hierbei künftig durch Förderungen deutlich gesteigert werden.

Die Klimaneutralität im Nutzfahrzeugbereich streben Alexander Maier & Josef Paul, CEOs von MaierKorduletsch & Paul Nutzfahrzeuge, im Rahmen ihres Projektes “Next Mobility Accelerator Consortium” an. Gemeinschaftlich möchten sie mit Blick auf wasserstoffbasierte Lösungen hinsichtlich Reichweite, Betankung und Auslastung von Nutzfahrzeugen zur Bewältigung derbEnergiewende beitragen.

Dr. Stefan Kaufmann, Innovationsbeauftragter H2 des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, machte in seiner Keynote deutlich, welche enormen Potenziale der Energieträger Wasserstoff für den Hochtechnologie-Standort Deutschland bietet. Er bezifferte das Volumen staatlicher Unterstützung beim Aufbau einer Wasserstoff-Wirtschaft im Inland auf 7 Mrd. Euro und zusätzlich 2 Mrd. Euro für internationale Partnerschaften – wie zum Beispiel mit Australien. Wörtlich sagte Kaufmann: “Deutschland soll zum globalen Marktanbieter entwickelt werden.” Darüber hinaus hob er die Bedeutung des deutschen Mittelstands hervor, weil dort die richtigen Lösungen zur Bewältigung der Herausforderungen gestaltet werden.

In der abschließenden Panel-Diskussion waren sich alle Teilnehmer einig, dass Wasserstoff erhebliche Potenziale für eine zielführende und schnelle Umsetzung der Energiewende bietet. Ohne Wärmewende werde es keine Energiewende geben – und ohne grünen Wasserstoff keine Wärmewende. Konsens herrschte auch darüber, dass das Potenzial des Wärmesektors im Allgemeinen und von Wasserstoff im Speziellen bislang stark unterschätzt wird. Würden nur 10 Prozent des Erdgasverbrauchs in Deutschland durch Wasserstoff ersetzt, könnten auf einen Schlag 6,5 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr eingespart werden. Das entspricht dem jährlichen CO2-Ausstoß von rund drei Millionen Autos mit Verbrennungsmotor. Darüber hinaus wurde einmal mehr deutlich, welche Vorreiterrolle der Mittelstand durch langfristiges, verantwortungsbewusstes und nachhaltiges Denken und Handeln einnimmt – insbesondere beim Hochlauf von Wasserstoff.